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Halbstiefel (Stiefeletten) – Die Alleskönner

 

Ein Stiefel ist in erster Linie ein Schuh. Wobei ein Schuh bis zur Fußbeuge reicht und ein Stiefel mindestens bis über den Knöchel reichen muss, damit er überhaupt Stiefel genannt werden darf. Das Oberteil eines Stiefels nennt man Schaft.

Wir bleiben hier bei einem Stiefel, der nicht bis zum Knie geht, sondern, je nach Modell, bis ein paar Zentimeter über dem Knöchel abschließt – dem Halbstiefel oder auch Stiefelette.

  1. “Ladys First”, kommen wir zuerst zu den Damen-Halbstiefeln. Hier sprechen wir von einem eleganten Halbstiefel, bekannt als Stiefelette. Die Stiefelette gibt es in allen Materialvariationen: Lack, Leder, Stoff, Wildleder und Kunstleder, um nur einige zu nennen. Auch die Absätze variieren von ganz flach, über schräg bis hin zu ganz hoch (High Heel Stiletto). Merkmal einer Stiefelette ist der Elastikeinsatz seitlich im Schaft. Dieser erleichtert den Einschlupf in den Schuh und hält den Halbstiefel am Fuß fest. Für die Herren gibt es auch Stiefeletten. Meist in Form eines eleganten Lederhalbstiefels mit etwas erhöhtem Absatz.
  2. Hier nun zu den verschiedenen Halbstiefel-Variationen, die allesamt einer bestimmten Funktion dienen.
    Alle genannten Arten können sowohl Damen als auch Herren tragen.
  3. Motorradstiefel, auch Biker Boots genannt, sind meist komplett aus Leder, oft mit rostfreien Ringen und Nieten bestückt. Die Sohle ist eine Profi-Gummisohle. Auch bei langen Motorradfahrstrecken sind die Füße gut und sicher “verpackt”. Viele tragen diese Bikerboots auch gerne im Herbst / Winter, weil sie einfach modisch sind und einen angenehmen Tragekomfort bieten. Ein zeitloser langlebender Halbstiefel zu vielen Gelegenheiten.
  4. Der Sicherheitsschuh, wie der Name schon sagt, bietet dem Träger Sicherheit bzw. Schutz in der Fußregion. Zum Einsatz kommen diese Halbstiefel z.B. bei der Bundeswehr, der Feuerwehr, im Bauwesen, beim Rettungsdienst, im Schlachtwesen, in der Elektrikbranche und in vielen anderen Bereichen, in denen die Füße Gefahren ausgesetzt sind und deshalb professionell geschützt werden müssen !
    Im vorderen Teil der Stiefel befindet sich immer eine Schutzkappe aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff. Das Obermaterial ist meist aus Leder und die Sohle besteht aus einem starken Gummiprofil und ist meist öl- und säureresistent.
    Die Unterschiede im Material ergeben sich aus den Anforderungen des jeweiligen Einsatzbereiches. Feuerwehrleute brauchen Sicherheitsstiefel, die aus feuerfestem Material sind, Elektriker brauchen isoliertes Schuhmaterial und Schlachter brauchen einen Halbstiefel, der ausreichend aus wasserfestem Material ist.
  5. Auch hier holt sich die Modebranche trendige Tipps. Schuhhersteller haben sich schon in den 70er Jahren den klassischen Bundeswehrstiefel als Modell genommen, um die Jugend für diese Art Halbstiefel zu begeistern. Mit Erfolg. Wer sich in der Punk, Heavy Metal und Gothic-Szene umschaut, findet dieses Schuhwerk an vielen Anhängern dieser Szenen.
  6. “Der Weg ist das Ziel”, dieses Motto machen sich viele Wanderfans zu eigen. Besonders beim Wandern werden die Füße extrem beansprucht und gefordert. Da ist es sehr wichtig, den richtigen Schuh zu trage. Er soll den Fuß schützen und gleichzeitig entlasten.
    Hier kommt der beliebte Halbstiefel wieder richtig zum Einsatz. Ob es nun um eine Flachwanderung geht oder um eine Bergtour, eine Gletscherwanderung oder eine Canyoningtour durch eine Schlucht. Vielleicht soll es auch eine Wüstenexpedition oder eine Regenwaldwanderung sein? Für jede Gelegenheit gibt es den passenden Wanderstiefel.
  7. Hier ein paar Beispiele, aus welchem Material so ein Wander-Halbstiefel für welche Wanderkategorie sein muss.
  8. Für leichte Touren gibt es einen Leichtwanderschuh mit einer biegsamen Sohle und einem Schaft aus Nylon. Ein Wanderstiefel, der im Hochgebirge zum Einsatz kommt, hat eine brettharte steigeisenfeste Sohle und einen dicken Lederschaft. Wer eine Wüstentour machen möchte, ist gut beraten mit einem Wüstenstiefel. Dieser Wanderhalbstiefel ist besonders atmungsaktiv und zeichnet sich durch einen skorpionstichfesten Nylonschaft aus. Für Wanderer in Schneeregionen gibt es spezielle Schalenstiefel, auch Telemarkschuhe genannt. Diese Halbstiefel verfügen über einen extra Innenschuh und sind für Wanderungen in Schnee – und Gletschergebieten geeignet.
  9. Bleiben wir noch kurz im Winter … und kommen wir zu einem Halbstiefel, der unten an der Sohle eine Vorrichtung aus Kufen angebracht hat; zum Gleiten auf Eisflächen geeignet: Der Schlittschuh. Der Klassiker dieses Schuhs ist aus weißem Leder und wird geschnürt. Mittlerweile gibt es diese Halbstiefel mit den Kufen in den verschiedensten Arten und Materialien. Im Sport gibt es spezielle Eiskunstlaufschuhe, Eishockeyschuhe und welche speziell für den Eisschnelllauf.
  10. Denken wir weiter an Sport. Im Boxsport ist der Halbstiefel ebenfalls unumgänglich. Boxer tragen im Ring die so genannten Boxerstiefel. Diese Schuhe werden geschnürt, gehen bis ca. 5 cm über den Knöchel. Sie sind aus leichtem Material (luftdurchlässiges Textilnetzgewebe) und haben immer ein Flachprofil.
  11. Zum Schluss ist noch ein geschnürter Halbstiefel zu erwähnen, der aus Stoff ist. 1923 machte eine Basketball-Legende aus den USA mit seinem Autogramm auf dem Gummiabzeichen des Schuhs diesen zum Dauerbrenner. Wahrscheinlich einer der berühmtesten und erfolgreichsten Schuhe aller Zeiten .
    Bis heute wurden von diesem Halbstiefel (den es auch als Halbschuh gibt) über 600 Millionen Paare verkauft !
  12. Der Halbstiefel ist also an sich ein echter Alleskönner, den es in tausend verschiedenen Variationen gibt und der für tausend verschiedene Gelegenheiten geeignet ist ! Die Aufgaben, die ein Halbstiefel erfüllt, die Einsatzgebiete, die ein solcher Schuh abdeckt, das alles schafft kein Halbschuh und auch kein kniehoher Stiefel.

Berge erkunden mit dem richtigen Wanderstiefel

 

Die Entstehung des Wanderstiefels geht mit der Entwicklung des Schuhes als solchem einher. Fußbekleidungen lassen sich bis bis in die Zeit vor 40.000 Jahren zurückverfolgen. Ein wichtiger Aspekt bei der Entstehung und Weiterentwicklung verschiedener Schuh- und Stiefelarten sind die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse. Vor allem in kühleren Regionen umwickelten sich die Menschen die Füße und Waden mit Tierfellen. Diese Felle gelten heute als Vorläufer der Stiefel.

Wichtige Erkenntnisse konnte man bei der Untersuchung von “Ötzis” Schuhwerk gewinnen. Seine rekonstruierte Fußbekleidung zeigt, dass diese bereits sehr ausgefeilt war. Der Gletschermann trug schon vor 5.000 Jahren nach innen gefütterte Schuhe, die mit einer Art Band zusammengehalten wurden und über eine eigene Sohle mit Profil verfügten. Außerdem gab es für Schaft und Außensohle verschiedene Lederarten. Ötzi trug also die ersten bekannten Stiefel, die fürs Gebirge geeignet waren.

Von dieser Zeit an erlebte die Entwicklung des Stiefels durch immer durchdachtere Konstruktionen und qualitativ hochwertigere Materialien einzigartige Fortschritte, die immer differenzierter auf die Anforderungen reagierten.
Mit dem Aufkommen des intensiv betriebenen Wanders, Kletterns und Bergsteigens entstand dann schließlich ein ganz neuer Wirtschaftszweig, der es sich zum Ziel machte, für jede dieser Aktivitäten eigens angefertigte Stiefel zu entwerfen.
Heute gibt es eine ganze Reihe von Herstellern, die sich auf Wanderstiefel spezialisiert haben. Ob für das Wandern in einfachem Gelände, das Klettern in höheren Lagen mit schwierigem Terrain oder das Bergsteigen auf Eis und Fels, für jede Geländeform und jeden Anspruch gibt es unterschiedlich konzipierte Wanderstiefel. Seit den 70er Jahren werden solche Wanderstiefel in die Kategorien “A” (Leichtwanderschuhe) bis “D” (Einsatz im Hochgebirge) eingeteilt. Die verschiedenen Kategorien unterscheiden sich hauptsächlich im Material, der Schafthöhe und der Beschaffenheit der Sohle.

Wer sich heute einen Wanderstiefel zulegen möchte, sollte sich auf jeden Fall beraten lassen, denn die Palette der angebotenen Stiefel ist so groß, dass es eines Fachmannes bedarf, um den wirklich passenden und vor allem geeigneten zu finden. Ein Wanderstiefel sollte vor allem zwei wichtige Funktionen erfüllen: Sie müssen die Füße schützen und ihnen eine sichere Führung geben. Außerdem sollten sie stets Trittsicherheit garantieren, so dass man selbst auf nassem Felsen nicht ausrutscht. Deshalb sollte ein Wanderstiefel über eine hohe Seitensteifigkeit verfügen. Schließlich ist für den Laufkomfort auch auf das Abrollverhalten des Stiefels zu achten. Ein guter Wanderstiefel, egal welcher Kategorie, sollte auch über eine Membran verfügen, die dafür sorgt, dass der Fuß einerseits gut belüftet wird und andererseits keine Feuchtigkeit von außen in den Schuh dringt. Denn es gibt nichts schlimmeres, als nasse Füße bei einer längeren Wanderung. Auf jeden Fall sollte man beim Kauf eines Wanderstiefels eine längere Gehprobe machen oder zumindest einige Male hin und hergehen. In den allermeisten Fachgeschäften sind auch kleine Hügel aus Holz und Stein vorhanden, an denen man den Halt des Stiefels prüfen kann.

  • Leichte Wanderstiefel:

Für alle, die in Mittelgebirgen oder auf leichteren Trekkingtouren unterwegs ist, empfliehlt sich ein Leichtwanderstiefel (auch Trekkingstiefel genannt). Er zeichnet sich vor allem durch hervorragendes Abrollverhalten aus. Seine Sohle sollte griffig und der Stiefel an sich wasserfest sein. Ein Leichtwanderstiefel zeichnet sich in der Regel durch ein geringes Gewicht aus, da das Obermaterial meist aus Mikrofasern besteht, welches leichter und auch flexibler ist, als beispielsweise Leder. Durch die Ausführung der Sohle (geringere Grifffestigkeit) und die relativ große Flexibilität des Schaftes sind Leichtwanderstiefel für Geröll oder unwegsames Gelände nicht geeignet, da die Gefahr des Umknickens groß ist. Die meisten Leichtwanderstiefel besitzen Gummi- oder Lederaufsätze an der Ferse und über der Zehenbox. Solche Aufsätze dienen zum Schutz der Stiefel und der Füße.

  • Bergstiefel:

Für Wanderungen in höherem Gebirge oder an Klettersteigen ist ein Bergstiefel die richtige Wahl. Ein solcher Stiefel erhöht die Trittsicherheit und den Halt an schwierigen Stellen. Als Obermaterial für solche Bergstiefel dient meist Kernleder. Sie haben einen höheren Schaft. Bei Bergstiefeln findet sich oft eine weit nach vorn reichende Schnürung und die Sohle ist aufwändig gearbeitet: Eine Zwischensohle dämpft den Aufprall und die Gehsohle ist besonders abriebfest, wodurch der Stiefel selbst auf nassem Gestein nicht wegrutscht und auch beim Abstieg über Geröllstellen Trittsicherheit gewährleistet ist. Rund um die Sohle des gesamten Bergstiefels ist Hartgummi aufgebracht, der zum Schutz des Fußes dient. Dank der festen und steifen Sohle können sogar Steigeisen für die Überquerung von Schnee- und Eisfeldern angebracht werden.

  • Alpinstiefel:

Diese Wanderstiefel werden fast ausschließlich von sehr erfahrenen Bergsteigern verwendet, die darauf aus sind, auch die höchsten Berggipfel zu besteigen. Die Stiefel haben ein sehr hohes Gewicht und die Sohle ist so konstruiert und gearbeitet, dass sie kaum abrollt. Alpinstiefel werden hauptsächlich bei Profi-Expeditionen im ewigen Eis, beim sogenannten Steileisklettern oder bei Touren in große Höhen eingesetzt. Als Obermaterial für Alpinstiefel werden verschiedene Kunstmaterialien bis hin zu Karbon verwendet. Diese Materialien garantieren selbst bei Hochgebirgstouren die unbedingt notwendige Widerstandsfähigkeit des Stiefels. Durch einen besonders steifen Schaft wird beim Klettern im Steileis eine perfekte Kraftübertragung vom Fuß auf die Stiefel erreicht. Durch die sehr unflexible, d.h. steife Sohle eines Alpinstiefels können auch spezielle Steigeisen montiert werden, bei denen man die vorderen Greifzacken mit sehr viel Krafteinsatz ins Eis bringen muss. Aufgrund ihrer sehr speziellen Konstruktion sollte man Alpinstiefel für Wanderungen in einfachem Gelände nicht verwenden, da das Laufgefühl dem von Skistiefeln ähnelt und es schnell zu Schädigungen des Fußes kommen kann.

So unterschiedlich und vielfältig wie die Hersteller und die vorhandenen Stiefelvarianten sind, sind auch die Preise für Wanderstiefel. Ein Trekkingstiefel ist aufgrund seiner einfacheren Bauweise natürlich meist günstiger als ein Berg- oder Alpinstiefel, der durch aufwändigere Herstellungsmethoden und die verwendeten Materialien verständlicherweise kostenintensiver ist. Dennoch sollte man die einzelnen Hersteller und Modelle miteinander vergleichen und immer ausprobieren, mit welchem Wanderstiefel man im wahrsten Sinne “am Besten gehen” kann. Die Füße werden es einem auf jeden Fall danken.