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Berge erkunden mit dem richtigen Wanderstiefel

 

Die Entstehung des Wanderstiefels geht mit der Entwicklung des Schuhes als solchem einher. Fußbekleidungen lassen sich bis bis in die Zeit vor 40.000 Jahren zurückverfolgen. Ein wichtiger Aspekt bei der Entstehung und Weiterentwicklung verschiedener Schuh- und Stiefelarten sind die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse. Vor allem in kühleren Regionen umwickelten sich die Menschen die Füße und Waden mit Tierfellen. Diese Felle gelten heute als Vorläufer der Stiefel.

Wichtige Erkenntnisse konnte man bei der Untersuchung von “Ötzis” Schuhwerk gewinnen. Seine rekonstruierte Fußbekleidung zeigt, dass diese bereits sehr ausgefeilt war. Der Gletschermann trug schon vor 5.000 Jahren nach innen gefütterte Schuhe, die mit einer Art Band zusammengehalten wurden und über eine eigene Sohle mit Profil verfügten. Außerdem gab es für Schaft und Außensohle verschiedene Lederarten. Ötzi trug also die ersten bekannten Stiefel, die fürs Gebirge geeignet waren.

Von dieser Zeit an erlebte die Entwicklung des Stiefels durch immer durchdachtere Konstruktionen und qualitativ hochwertigere Materialien einzigartige Fortschritte, die immer differenzierter auf die Anforderungen reagierten.
Mit dem Aufkommen des intensiv betriebenen Wanders, Kletterns und Bergsteigens entstand dann schließlich ein ganz neuer Wirtschaftszweig, der es sich zum Ziel machte, für jede dieser Aktivitäten eigens angefertigte Stiefel zu entwerfen.
Heute gibt es eine ganze Reihe von Herstellern, die sich auf Wanderstiefel spezialisiert haben. Ob für das Wandern in einfachem Gelände, das Klettern in höheren Lagen mit schwierigem Terrain oder das Bergsteigen auf Eis und Fels, für jede Geländeform und jeden Anspruch gibt es unterschiedlich konzipierte Wanderstiefel. Seit den 70er Jahren werden solche Wanderstiefel in die Kategorien “A” (Leichtwanderschuhe) bis “D” (Einsatz im Hochgebirge) eingeteilt. Die verschiedenen Kategorien unterscheiden sich hauptsächlich im Material, der Schafthöhe und der Beschaffenheit der Sohle.

Wer sich heute einen Wanderstiefel zulegen möchte, sollte sich auf jeden Fall beraten lassen, denn die Palette der angebotenen Stiefel ist so groß, dass es eines Fachmannes bedarf, um den wirklich passenden und vor allem geeigneten zu finden. Ein Wanderstiefel sollte vor allem zwei wichtige Funktionen erfüllen: Sie müssen die Füße schützen und ihnen eine sichere Führung geben. Außerdem sollten sie stets Trittsicherheit garantieren, so dass man selbst auf nassem Felsen nicht ausrutscht. Deshalb sollte ein Wanderstiefel über eine hohe Seitensteifigkeit verfügen. Schließlich ist für den Laufkomfort auch auf das Abrollverhalten des Stiefels zu achten. Ein guter Wanderstiefel, egal welcher Kategorie, sollte auch über eine Membran verfügen, die dafür sorgt, dass der Fuß einerseits gut belüftet wird und andererseits keine Feuchtigkeit von außen in den Schuh dringt. Denn es gibt nichts schlimmeres, als nasse Füße bei einer längeren Wanderung. Auf jeden Fall sollte man beim Kauf eines Wanderstiefels eine längere Gehprobe machen oder zumindest einige Male hin und hergehen. In den allermeisten Fachgeschäften sind auch kleine Hügel aus Holz und Stein vorhanden, an denen man den Halt des Stiefels prüfen kann.

  • Leichte Wanderstiefel:

Für alle, die in Mittelgebirgen oder auf leichteren Trekkingtouren unterwegs ist, empfliehlt sich ein Leichtwanderstiefel (auch Trekkingstiefel genannt). Er zeichnet sich vor allem durch hervorragendes Abrollverhalten aus. Seine Sohle sollte griffig und der Stiefel an sich wasserfest sein. Ein Leichtwanderstiefel zeichnet sich in der Regel durch ein geringes Gewicht aus, da das Obermaterial meist aus Mikrofasern besteht, welches leichter und auch flexibler ist, als beispielsweise Leder. Durch die Ausführung der Sohle (geringere Grifffestigkeit) und die relativ große Flexibilität des Schaftes sind Leichtwanderstiefel für Geröll oder unwegsames Gelände nicht geeignet, da die Gefahr des Umknickens groß ist. Die meisten Leichtwanderstiefel besitzen Gummi- oder Lederaufsätze an der Ferse und über der Zehenbox. Solche Aufsätze dienen zum Schutz der Stiefel und der Füße.

  • Bergstiefel:

Für Wanderungen in höherem Gebirge oder an Klettersteigen ist ein Bergstiefel die richtige Wahl. Ein solcher Stiefel erhöht die Trittsicherheit und den Halt an schwierigen Stellen. Als Obermaterial für solche Bergstiefel dient meist Kernleder. Sie haben einen höheren Schaft. Bei Bergstiefeln findet sich oft eine weit nach vorn reichende Schnürung und die Sohle ist aufwändig gearbeitet: Eine Zwischensohle dämpft den Aufprall und die Gehsohle ist besonders abriebfest, wodurch der Stiefel selbst auf nassem Gestein nicht wegrutscht und auch beim Abstieg über Geröllstellen Trittsicherheit gewährleistet ist. Rund um die Sohle des gesamten Bergstiefels ist Hartgummi aufgebracht, der zum Schutz des Fußes dient. Dank der festen und steifen Sohle können sogar Steigeisen für die Überquerung von Schnee- und Eisfeldern angebracht werden.

  • Alpinstiefel:

Diese Wanderstiefel werden fast ausschließlich von sehr erfahrenen Bergsteigern verwendet, die darauf aus sind, auch die höchsten Berggipfel zu besteigen. Die Stiefel haben ein sehr hohes Gewicht und die Sohle ist so konstruiert und gearbeitet, dass sie kaum abrollt. Alpinstiefel werden hauptsächlich bei Profi-Expeditionen im ewigen Eis, beim sogenannten Steileisklettern oder bei Touren in große Höhen eingesetzt. Als Obermaterial für Alpinstiefel werden verschiedene Kunstmaterialien bis hin zu Karbon verwendet. Diese Materialien garantieren selbst bei Hochgebirgstouren die unbedingt notwendige Widerstandsfähigkeit des Stiefels. Durch einen besonders steifen Schaft wird beim Klettern im Steileis eine perfekte Kraftübertragung vom Fuß auf die Stiefel erreicht. Durch die sehr unflexible, d.h. steife Sohle eines Alpinstiefels können auch spezielle Steigeisen montiert werden, bei denen man die vorderen Greifzacken mit sehr viel Krafteinsatz ins Eis bringen muss. Aufgrund ihrer sehr speziellen Konstruktion sollte man Alpinstiefel für Wanderungen in einfachem Gelände nicht verwenden, da das Laufgefühl dem von Skistiefeln ähnelt und es schnell zu Schädigungen des Fußes kommen kann.

So unterschiedlich und vielfältig wie die Hersteller und die vorhandenen Stiefelvarianten sind, sind auch die Preise für Wanderstiefel. Ein Trekkingstiefel ist aufgrund seiner einfacheren Bauweise natürlich meist günstiger als ein Berg- oder Alpinstiefel, der durch aufwändigere Herstellungsmethoden und die verwendeten Materialien verständlicherweise kostenintensiver ist. Dennoch sollte man die einzelnen Hersteller und Modelle miteinander vergleichen und immer ausprobieren, mit welchem Wanderstiefel man im wahrsten Sinne “am Besten gehen” kann. Die Füße werden es einem auf jeden Fall danken.