Vielfalt der Lederstiefel
Die älteste Abbildung von Stiefeln findet sich in einer Höhle in Spanien als Wandmalerei, sie wird datiert auf ca. 15 000- 13 000 v.Chr. Genau genommen handelt es sich um Füße, die mit Tierhäuten und Fellen umwickelt waren, aber schon der späteren Stiefelform ähnelte.
Schon in frühester Zeit hat die Menschheit entdeckt, daß Leder als Material für Stiefel vielseitig und zweckmäßig ist. Zunächst dienten Lederstiefel den Jägern vornehmlich zum Schutz der Beine vor Kälte, Nässe und Verletzungen. Aber bereits im 5. Jahrhundert trugen Attilas Hunnen, die Reiter des Dschingis Khan, spanische Siedler und mexikanische Hirten Lederstiefel.
Auch heute werden Stiefel noch von Jägern, Soldaten, Wanderern und Bergsteigern getragen. Auch im Sport finden sie z.B. als Reit- oder Boxerstiefel Verwendung.
Eine Blütezeit erlebte der Lederstiefel ab dem 17. Jahrhundert in Amerika. War doch dort gerade ein neuer Berufsstand entstanden: der Cowboy. Diese Saisonarbeiter, die von Ranch zu Ranch zogen, besaßen in der Regel nicht viel. Ihre Stiefel aber waren Ausdruck von Stand und Stolz. Ihre Work-Boots waren individuell angefertigt und dienten dem Schutz vor Kakteen, Schlangen, Wind und Wetter. 1875 erreichte die Cowboymode samt dem dazugehörigen Stiefeln ihre Hochzeit. ist aber bis heute, wenngleich manchmal nur als Akzent, in der Modewelt präsent.
Warum ist Leder für die Stiefelherstellung so beliebt ?
Leder ist gegerbte und dadurch konservierte Tierhaut. Jede Haut ist unterschiedlich und hat ein eigenständiges Erscheinungsbild. Man unterscheidet die Narbenseite( Haare des Tieres) und die Fleischseite ( Körper des Tieres), kräftige Häute werden gespalten.
Leder wird entweder nach dem Tier, von dem es stammt, nach dem Zweck, für den es bei der Schuhherstellung verwendet wird, oder nach der Verarbeitungsart, unterschieden.
Folgende Tierhäute werden bei Stiefeln verwendet :
- Chevreaux (Ziege)
- Exotenleder (Schlange, Krokodil, Eidechse)
- Porc (Schwein, häufig auch einfach Schweinsleder)
- Wildleder (Hirsch, Elch, Reh, Gämse; im allgemeinen Sprachgebrauch fälschlich oft auch Velour- oder Nubukleder genannt)
- Rindleder und Kalbleder ( Babycalf – das Kalb hat nur Muttermilch zu sich genommen
- Boxcalf- das Tier wiegt bis zu 300 kg; Mastcalf- über 300kg Lebendgewicht)
Nach dem Verwendungszweck werden unterschieden: Oberleder für das äußere Oberteil und den Schaft, Sohlleder und Futterleder.
Folgende Lederarten lassen sich nach der Verarbeitung unterscheiden:
- Lackleder wurde mit einer Lackschicht versehen
- Nubukleder erhält seine feine, samtartige Struktur durch Anschleifen der Oberfläche
- Rauhleder ist velourartig aufgerauhtes
- chromgegerbtes Rind- oder Kalbleder
- Durch Bürsten des gegerbten Leders mit Eisensalzlösungen entsteht Schwarzleder
- Velourleder ist ein Sammelbegriff für Ledersorten mit aufgerauhter Oberfläche, die auf der Fleisch- oder Narbenseite angeschliffen wurden. Ebenso wird dieser Begriff verwendet für Leder, bei dem die raue Fleischseite nach außen gewendet wurde
Leder vereint zahlreiche Vorteile in sich, die kaum ein anderes Material gerade im Hinblick auf die Stiefelherstellung bieten kann. Da es dehnbar und geschmeidig ist, paßt es sich den Veränderungen der Füße im Laufe eines Tages hervorragend an. Aufgrund der Atmungsaktivität ist immer für ein gutes Klima im Schuh gesorgt. Feuchtigkeit staut sich nicht im Inneren, was für die Fußgesundheit von unschätzbarem Wert ist. Gleichzeitig kann von außen Kälte nicht eindringen. Darüberhinaus ist Leder extrem strapazierfähig, formbeständig und langlebig. Gut gepflegte Lederstiefel können dem Träger/ der Trägerin über Jahre hinaus Freude bereiten. Und natürlich ist das Naturprodukt Leder bekannt für seine zeitlose Schönheit.
Gerade am Naturprodukt Leder ist aber in neuerer Zeit auch Kritik laut geworden: meist stammt das Leder für die Schuhherstellung von jungen Tieren, die aus sog. Tierfabriken mit fragwürdigen Haltungs- und Schlachtmethoden kommen. Zudem wird das Leder mithilfe giftiger Chemikalien gegerbt, die es teilweise sogar zu Sondermüll werden lassen. In der Pflege kann Leder sehr aufwändig sein, vor allem wenn es um Imprägnieren und Wachsen geht. Auch zu schnelles Trocknen bekommt dem Leder schlecht und kann zu Rißbildung führen. Leder als Futter im Schuh nimmt viel Feuchtigkeit auf, die dann besonders bei starkem Schwitzen nicht schnell genug abtransportiert werden kann. In der Folge wird das Leder glitschig, trocknet nur schwer und entwickelt einen unangenehmen Geruch.
Während ein Halbschuh nur bis zur Fußbeuge reicht, zeichnet sich ein Stiefel durch eine Schafthöhe bis mindestens über den Knöchel aus. Die kurze Form, die knapp über dem Knöchel endet, wird als Stiefelette bezeichnet. Das andere Extrem sind die Überkniestiefel, im allgemeinen Sprachgebrauch auch bekannt als “Overknees“, die wie der Name schon sagt, bis übers Knie hinausreichen.
Oft ist die Entscheidung für einen Stiefel von rein modischen Aspekten getragen. Es gibt aber auch Fälle, in denen die besondere Form des Stiefels eine wichtige Funktion zu erfüllen hat. Der Stiefel stützt das Fußgelenk z.B. beim Bergsteigen oder Eislaufen besonders gut. Beim Reiten scheuert das Bein des Reiters nicht am Sattel und liegt ruhiger am Pferdekörper an. Im unwegsamen Gelände schützt ein hoher Schaft vor Verletzungen durch Gestrüpp und vor Insektenstichen oder auch Zeckenbissen. Und nicht zuletzt ist in kalten Gegenden der Stiefel als Wärmeschutz nicht wegzudenken.
Die meisten bekannten Schuhmarken wie etwa Ara, Geox, Timberland, Rieker, Paul Kaiser, Peter Green, Boss, und Donna Diesel haben auch eine Kollektion von Lederstiefeln vorzuweisen. Einige davon haben Kultstatus erlangt, wie etwa Doc Martens, deren Träger sich ursprünglich einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlten oder Manolo Blahnik durch die Fernsehserie “Sex and the City”. Die bekanntesten Hersteller von Cowboystiefeln sind Buffalo und Tony Mora, bei Reitstiefeln Cavallo.
