Der Stiefel – Zweck und Zierde in der Moderne
Der Stiefel ist aus der heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. Seine Vielseitigkeit hat ihn über die Jahrhunderte hinweg zu einem der beliebtesten Schuhtypen weltweit etabliert. Doch wie genau definiert man ihn eigentlich? Im Allgemeinen werden Schuhe, deren Schaftlänge mindestens achtzig Prozent ihrer Schuhlänge beträgt, als Stiefel bezeichnet.
Kurzum ist ein Stiefel ein Schuh, der zumindest über den Knöchel reicht, meist auch die Wade bedeckt. Man findet ihn heute in den verschiedensten Ausführungen: als Gummistiefel, als Wanderstiefel, als Motorradstiefel oder auch als schickes Mode-Accessoire. Ob die Stiefel neu oder gebraucht gekauft werden, ist dabei egal – hauptsache sie sind zweckmäßig und bequem.
Stiefel können auf eine lange, interessante Geschichte zurückgreifen. Wandmalereien bestätigen, dass schon 13.000 – 15.000 v. Chr. Stiefel getragen worden sind. Die Zeichnungen stellen Jäger dar und belegen, dass Stiefel vorwiegend zum Wärmen der Füße und als Schutz gegen Einwirkungen von außen getragen wurden. Bis Ende des zweiten Weltkrieges fand der Stiefel hauptsächlich im Militär Verwendung. Erst danach ist der Stiefel als Modeschuh weitgehend zugänglich geworden.
Stiefel können auf unterschiedliche Art und Weise kategorisiert werden. Wenn man sich an der Schaftlänge des Schuhes orientiert, kann man zum Beispiel Stiefeletten von Overknees unterscheiden. Stiefeletten kamen erstmals zu Beginn des neuzehnten Jahrhunderts auf. Das äußerliche Hauptmerkmal der Stiefelette ist ihr bis kurz über den Knöchel des Trägers gehender Schnitt. In seiner Form ist die Stiefelette damals noch relativ eckig gehalten worden und hatte bis zu 7cm hohe Absätze. Anfangs nur für Adlige erhältlich, schaffte dieser Schuh Ende des neunzehnten Jahrhunderts den Durchbruch und wurde als gängiger Straßen-Halbschuh akzeptiert. Overknee-Stiefel verbreiteten sich Anfang der Siebziger und man unterscheidet zwei grundlegende Arten: Zum einen gibt es den Overknee-Stiefel, der als modische Ergänzung zu einfachen Alltagsoutfits getragen wird. Zum anderen gibt es den Overknee-Stiefel aus Glanzlack, dem eine eher erotische Bedeutung zukommt. Heute ist der Overknee nach fast vierzig Jahren wieder in Mode und in den meisten Fachgeschäften erhältlich. Overknees bestehen übrigens meist aus Latex.
Man kann Stiefel nicht nur nach ihrer Schaftlänge, sondern auch nach ihrem Verwendungszweck kategorisieren. Zu den Zweckschuhen gehören zum Beispiel Reitstiefel. Bis ca. 1830 war der Reitstiefel die einzige Art Stiefel, die auch von Frauen getragen werden durfte. Um den Schuh auf die Ansprüche des Reitens anzupassen, hat der Schuh optimalerweise nur eine Sohle um Stürze zu vermeiden. Bei mehreren Sohlen ist die Gefahr groß, dass Reiter in den Steigbügeln ihres Pferdes hängen bleiben können. Reitstiefel werden aus Leder, Gummi oder PVC hergestellt und es gibt sie in verschiedenen Formen wie z.B. als Dressurstiefel oder auch als Sprungstiefel. Ein weiterer Zweckschuh ist der Wanderstiefel. Dieser wird, wie der Name schon sagt, zum Wandern in freier Natur genutzt. Das Besondere am Wanderstiefel ist sein tiefes, rutschfestes Profil und seine Wasserdichtigkeit. Außerdem stützt und entlastet dieser Stiefel den Fuß, indem er bis kurz über den Knöchel reicht und somit schmerzhafte Verletzungen vorbeugen kann. Das Material des Wanderstiefels besteht oftmals aus Leder oder Kunstfaser. Der Bundeswehrstiefel gehört ebenfalls zu den Zweckschuhen. Er wird aus Leder gefertigt und ist wie auch der Wanderstiefel mit einem tiefen, rutschfesten Profil ausgestattet. Die aktuellste Version des Bundeswehrstiefels ist mit zwei Kunststoffplatten versehen, die dem Schutz der Füße dienen.
Es gibt auch Stiefel, die sowohl Zweck- als auch Modeschuh sind. So schützt zum Beispiel der Winterstiefel vor Kälte und kann gleichzeitig modisch überzeugen. Winterstiefel gibt es in allen Varianten. Erst kürzlich sind die sogenannten „Moonboots“ wieder in Mode gekommen. Diese wurden den Mondstiefeln, die amerikanische Astronauten bei der ersten Mondlandung trugen, angepasst. Sie werden aus Kunststoff gefertigt, sind wasserabweisend und von innen mit Kunstfell ausgestattet. Damit halten sie den Fuß warm und dienen gleichzeitig als Modeaccessoire.
Stiefel können auch nach dem Material, aus dem sie gefertigt werden, kategorisiert werden. Das wohl am meisten vertretene Stiefelmaterial ist Leder. Sowohl Kunststoffleder, als auch Echtleder sind in der Stiefelwelt sehr gefragt.
Aber auch andere Materialien werden bei der Stiefelverarbeitung verarbeitet. So wird der Gummistiefel, aufgrund seines Verwendungszwecks, aus Gummi oder auch aus Kunststoff hergestellt. Der Gummistiefel gehört zu einer der ältesten Arten des Stiefels. Einfache Ausführungen wurden bereits bei der Urbevölkerung Südamerikas hergestellt. Als Gummi dann Anfang des Neunzehnten Jahrhunderts erstmals so produziert wurde, wie wir es heute kennen, wurde der Gummistiefel für dir breiten Massen zugänglich. Heute ist er in der Industrie unersetzbar und auch in der Modewelt immer gefragter. Ein reiner Modestiefel, der aufgrund seines Materials in den Siebzigern bekannt wurde, ist der Plateaustiefel. Dabei handelt es sich um einen Langschaftstiefel, der eine zentimeterdicke Plateausohle besitzt. Das Wort „Plateau“ kommt aus dem Französischem und steht für „Hochfläche“. Und der Plateaustiefel macht seinem Namen alle Ehre: Seine Sohle ist zwischen drei und zehn Zentimetern dick. Einige Plateaustiefel erreichen sogar Höhen von bis zu vierzig Zentimetern und treffen bei Schuhfetischisten auf große Resonanz.
Der Cowboystiefel, oder auch Western-Boot genannt, hat seinen Ursprung in den USA. Mitte des 17. Jahrhunderts etablierte sich der Berufsstand des Cowboys und mit ihm wurde einer der wohl berühmtesten Modetrends aus den Staaten geboren. Doch bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts blieb der Westernstiefel ein Arbeitsschuh. Erst als mit den ersten Hollywood-Filmen der Mythos des Cowboys geprägt wurde, konnte man den Cowboy-Stiefel als Modeschuh erwerben. Er reicht meist bis kurz unter das Knie und hat normalerweise einen kleinen bis mittleren Absatz. Übrigens werden auch heute noch die echten Cowboy-Boots im Süden der USA hergestellt. Da sie allerdings nicht mehr zu den Zweckschuhen gehören und aus wertvollen Materialien wie zum Beispiel Strauß oder Schlange gefertigt werden, sind sie oftmals sehr preisintensiv. In Deutschland kann man die einfacheren Ausführungen des Cowboy-Stiefels in jedem Schuhgeschäft kaufen.
Ob Zweck- oder Modeschuh, der Stiefel wird sich wohl immer weiterentwickeln. Sowohl in der Industrie, als auch in der Modewelt ist er unersetzbar und zählt zu einem der interessantesten Schuhwerke, die es je gab.