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So weit die Cowboystiefel einen tragen

 

Der Cowboystiefel oder auch Westernstiefel genannt, ist ein Nachkomme der Ende des 18.Jahrhundert getragenen Militärboots. Wer aber zu Pferd unterwegs war, konnte mit diesen klobigen Stiefeln nichts anfangen, denn er kam nicht einmal in den Steigbügel damit. Der legendäre Cowboystiefel war zu dieser Zeit noch unbekannt.

  • Entstehung der Westernmode

Ein deutscher Schuhmacher mit dem Namen Hyer wanderte im Jahre 1850 mit seinem Sohn Edward in die USA aus.
Im Jahre 1852 kam dann der zweite Sohn und Bruder von Edward mit dem Namen Charles zur Welt. Im fortschreitenden Alter lernte Charles von seinem Vater das Schuhmacherhandwerk. Ende des 18. Jahrhunderts zog Charles von den USA nach Kanada und eröffnete dort einen Schuhmacher-Laden. Das Geschäft florierte und Charles bat seinen Bruder Edward ihm zu helfen. Daraufhin zog auch Edward nach Kanada. Zusammen arbeiteten die beiden in dem Schuhmacher-Laden von Charles, bis eines Tages ein Cowboy in den Laden kam, weil er unzufrieden mit seinen bisherigen Stiefeln war.

  • Wie entwickelte sich die Form?

Nach genauen Vorstellungen des Cowboys entschied man sich für bis dahin unbekannte Form, zu einer spitzen Variante, was den Einstieg in den Steigbügel erleichtern soll und einem hochgezogenen Absatz, damit der Stiefel fest im Steigbügel sitzt und nicht gleich wieder rausrutscht. Nach diesen Vorgaben des Cowboys wurde dann der Stiefel von Hand gefertigt und der erste Cowboystiefel war geboren.

Von der Passform, der Haltbarkeit und der Nutzbarkeit überzeugt, machte der fremde Cowboy fortan mit seinen neuen bis dahin unbekannten Cowboystiefeln automatisch bei anderen Cowboys Werbung.

Ziemlich zum Ende des 18. Jahrhunderts stellten Charles und Edward ihren Betrieb um und widmeten sich nur noch der Herstellung von Boots und Cowboystiefeln unter ihrem neuen Firmennamen:

Hyer’s Boot Companie. Dieser Name ging später in die Geschichte ein. Das Unternehmen wuchs und es wurden mehr Schuhmachergesellen eingestellt, hauptsächlich Auswanderer aus Deutschland und Polen. Ab Anfang des 19. Jahrhundert schied sein Bruder Edward aus dem Betrieb aus und Charles leitete die Firma alleine weiter. Bis zu seinem Tod im Jahre 1921 wurden schon damals rund 15.000 paar Stiefel jährlich produziert. Seine Söhne leiteten die Firma noch bis zum Jahr 1977 und verkauften die bis dahin schon zur Legende gewordene Firma.

  • Cowboystiefel und die USA sind untrennbar miteinander verbunden

Nicht nur die Firma war Legende, vor allen Dingen die Cowboystiefel waren es und sind es noch heute. Alles was in den USA Rang und Namen hat, von der Politik bis zu den Stars, von Präsident Roosevelt bis Ronald Reagan, Henry Ford und weiter zu Schwarzenegger und Madonna trug und trägt noch heute Cowboystiefel.

Der original amerikanische Cowboystiefel wird auch heute noch in allen Längen und nahezu allen Lederarten bis zu Straussenleder und Schlangenleder hergestellt. Selbst die Formen, spitz, nicht so spitz oder Absätze in den verschiedensten Formen und Höhen werden handvernäht hergestellt.

  • Herstellung

Gute Qualitätsstiefel sind von einer rahmengenähten Lederbespannung geprägt und auch zu Anlässen in Texas z. B. bei den Ölbaronen ein durchaus axeptiertes standesgemäßes Schuhwerk.

In den Staaten werden sie nicht nur als Modegag getragen, dort gehört der Cowboy-oder Westernstiefel in vielen Bundesländern zum grauen Alltag und wird auch zur festlichen Abendgarderobe getragen. Natürlich ist der Cowboystiefel auch der absolute Kultstiefel bei Veranstaltungen wie Rodeo, Westerntanzturniere, Countryabende und sonstige Vorführungen. Anfang der 70iger Jahre besann sich auch die europäische Modebranche der original amerikanischen Cowboystiefel, um daraus einen Modetrend zu entwickeln. Alles was Rang und Namen hatte rannte fortan mit Cowboystiefeln durch die Gegend, nur mit einem kleinen Unterschied. In Amerika ist es ein original Cowboystiefel, der noch heute von den Cowboys zur Arbeit getragen wird.

  • Wie sieht es in Europa aus?

Hier in Europa ist der Cowboystiefel nur eine Modeerscheinung gewesen und wich vom Material, Verarbeitung und Leder stark von den amerikanischen Cowboystiefeln ab, denn sie hatten den harten Einsatz ja auch nicht zu befürchten. Nur in den Städten war es etwas anders, dort entwickelte sich der Cowboystiefel nicht nur zu einem Modetrend, sondern zu einem Kultstiefel, wo es auch auf die Qualität ankommt.

Jeder rannte mit Cowboystiefeln rum und der erste Blick des anderen ging erst einmal nach unten um die Qualität des Cowboystiefels zu testen, ähnlich wie heute der Blick auf die Armbanduhr des anderen. Zu der Zeit ging auf Ibiza ohne Cowboystiefel überhaupt nichts. Fast jede Boutique führte Cowboystiefel im Programm und 80% der jungen Damen waren nur noch in Cowboystiefeln anzutreffen. Man konnte sofort weibliche Neuankömmlinge an den Cowboystiefeln erkennen. Wer als Frau keine hatte, rannte ersteinmal in die nächste Boutique um sich welche zu kaufen. Eine Frau ohne Cowboystiefel auf Ibiza war wie ein Auto ohne Benzin, undenkbar.

Dann ging der Trend der Cowboystiefel langsam den Bach hinunter, zumindest in Europa. In den Staaten ist immer noch eine Schuhmanufaktur ansässig, die von vielen Stars und Prominenten einen Leisten besitzt, wonach jeder Zeit ein massgeschneiderter Cowboystiefel angefertigt werden kann. Julia Roberts hat anlässlich ihrer Zwillinge die Initialen der beiden in die Stiefel nähen lassen. In Amerika ist eben alles möglich!

In der jetzigen Zeit ist der Cowboystiefel in Europa nicht mehr so ganz angesagt. Was nichts heißt, denn einige fahren auch noch Manta und andere tragen einen Cowboyhut mitten in Deutschland. In Großstädten fällt man auf jeden Fall mit Cowboystiefel auf, alleine schon durch seine Farbgebung und der verschiedenen Lederkombinationen, sieht man einmal von den schlichten Cowboystiefeln ab. Vielleicht gefällt es dem einen oder anderen auch, als “Crocodile Dundee” durch die Stadt zu laufen.

Immer wieder versucht die Modeindustrie Cowboystiefel trendgerecht zu vermarkten, mit derzeit minderem Erfog. Es wird immer Menschen geben, denen ein Modetrend völlig egal ist, das ist auch gut so. Wer sich in seinen qualitativ guten Cowboystiefeln wohl fühlt, soll sie auch tragen, ob Trend oder nicht Trend. Keiner wird jeden Tag Nudeln essen, nur weil einer aus der Modewelt sagt:” Die sind jetzt in.” Es ist ja auch nicht so, dass man sie nicht mehr tragen kann! Derzeit sind Cowboystiefel einfach ein Nischenprodukt, ein Mitlaufartikel für den es immer Kunden geben wird, genauso wie für Gummistiefel, die sind weder modern, noch unmodern und werden weltweit getragen.

Trotz alledem wird es immer eine Gemeinde eingeschworener Cowboystiefel-Träger geben. In Hamburg auf der Reeperbahn bietet ein Geschäft schon seit über zwanzig Jahren Cowboystiefel in rauhen Mengen an. Die würden es ja nicht machen, wenn es dafür keine Käufer gibt.

Schnell kann jedoch ein Nischenprodukt wieder von Heute auf Morgen zum absoluten Renner werden, es müssen nur ein paar Stars damit rumlaufen, oder eines der angesagtesten Label nimmt die Kultstiefel wieder mit in sein modisches Programm auf. Dann ist der Cowboystiefel wieder trendig.