Plateaustiefel – Schuhmode auf hohen Sohlen
Plateaustiefel sind keine Erfindung der Neuzeit. Schon vor langer Zeit wurden vor allem in Afrika und Asien Schuhe und Stiefel mit Plateausohlen getragen. Für japanische Konkubinen waren Plateauschuhe Pflicht. Sie konnten in diesen Schuhen bestenfalls trippeln und sie mussten sehr vorsichtig gehen, was zu ihrem zarten und puppenhaften Erscheinungsbild passte.
Noch schlimmer war das Laufen auf Plateausohlen für chinesische Frauen im vorigen Jahrhundert. Ihre Füße wurden in einer schmerzhaften Prozedur gebunden. Die Füße schrumpfen irgendwann auf eine Größe von 10 cm. Für diese kleinen Füße gab es spezielle Schuhe aus Seide, die eine Plateausohle aus Kork hatten. Das Gehen auf diesen Schuhen war unmöglich, aber es entsprach dem damaligen Schönheitsideal.
Am Hofe des Sonnenkönig in Versailles trugen vorallem die Männer gerne Plateausohlen. Es gehört zur höfischen Etikette sich elegant und geziert zu bewegen. Ludwig XIV. war knapp 1,68 m groß und trug Plateausohlen um größer zu wirken. Schließlich war er der König. Die Schuhe wurden passend zur Kleidung mit dem gleichen Stoff bezogen.
Anhänger von Plateaustiefeln und Schuhen waren besonders die Venezianer. Seit dem 15. Jahrhundert waren die sogenannten “Zoccoli” modern. Schuhe und kniehohe Stiefel aus schwarzer Seide oder sehr feinem Leder, die eine Plateausohle hatten. Zunächst wurden sie nur im Karneval getragen, später waren sie für die reichen und adligen Männer Venedigs Pflicht und bleiben es auch fast zwei Jahrhunderte lang.
Auch der wohl berühmteste Venezianer, Giacomo Casanova war ein modischer Mann und trug Plateauschuhe. Natürlich auch auf seinen zahlreichen Reisen. 1764 reiste Casanova nach Preussen. Er besuchte Friedrich den Großen in Sanssousi und bat um eine Anstellung. Der als eher uneitel bekannte König betrachetet Casanova von oben bis unten, lächelte spöttisch über die Plateauschuhe, nannte den Lebemann Casanova einen Geck und bot ihm an, seine Landjunker zu unterrichten. Casanova lehnte dankend ab.
Im Laufe der Jahre gerieten Stiefel und Schuhe mit hohen Plateausohlen wieder in Vergessenheit.
Erst in den 1960er und 1970er Jahren erlebten Plateauschuhe wieder eine Renaissance und Schuld daran hatte eine Rock Band aus den USA.
Am 30. Januar 1973 trat im Pop Corn Club in Queens/New York eine Band auf, wie es sie zuvor noch nie gegeben hatte. Die Gesichter grell geschminkt, mit pechschwarzen Haaren, fantastischen Kostümen und extrem hohen Plateaustiefeln.
“Kiss” waren DAS Tagesgespräch in New York. Ob nun auf Grund ihrer extravaganten Kostüme oder wegen ihrer sehr lauten Musik, “Kiss” wurden sehr erfolgreich und plötzlich trug man in Manhattan Plateaustiefel in allen Formen und Farben. Wer sich die Stiefel kaufte und anprobierte, merkte sehr schnell, warum die Musiker von “Kiss” quasi aus dem Stand spielten, denn groß bewegen konnte man sich in diesen hohen Stiefeln nicht. Geschweige längere Strecken laufen oder eine temperamentvolle Bühnenshow hinlegen.
Wer jemals “Kiss” Live auf der Bühne erlebt hat, dem wird auffallen, das die Spezialeffekte gigantisch waren, aber vielleicht nur davon ablenken sollten, das die Musiker sich nie einen Zentimeter bewegt haben.
Trotzdem, der Siegeszug der Plateaustiefel war nicht mehr aufzuhalten. In der Disco-Ära ging gar nichts ohne die Stiefel, die zwar eine sehr schlankes Bein zauberten, aber zum tanzen denkbar ungeeignet waren. Man stand halt lässig damit an der Bar und nippte an einer Cola. Alkohol wäre fatal gewesen, denn wie sollte man auf diesen Stiefel nach Hause wanken?
Knautschlack war ein Muss bei Plateaustiefeln. Wer es sich leisten konnte trug edles Rinderleder, aber für die Disco musste es Kunstleder sein. Die Farben der Plateaustiefel waren, wie alles zu dieser Zeit, möglichst grell. Orange, Gelb, knallrot oder giftgrün. Die perfekte Kombination bestand aus einem super kurzen Minirock, einer Rüschenbluse aus Kunstseide und natürlich 10 cm hohen Plateaustiefeln.
Obwohl in den 1990er Jahren Plateaustiefel keine so große Rolle mehr spielten, verschwand die hohen Sohlen doch nicht ganz von der modischen Bildfläche. In fast jedem Sommer kamen Plateausohlen in irgendeiner Form wieder.
Es kam der Sommer in dem Strohschuhe, so genannte Espandrillos modern waren und plötzlich waren auch Plateausohlen wieder IN. Geschnürt wie Römersandalen oder wie Ballettschuhe waren Plateausandalen der Renner der Saison. Aber auch in Leder und Kunstleder erlebten Plateaustiefel immer wieder eine Renaissance. Mal höher mal weniger hoch, je nach dem was die führenden Schuhdesigner gerade vorgaben.
Etwas was Stiefel mit Plateausohlen nie wirklich aus der Moden kommen läßt, ist der erotische Aspekt.
Gerade auf der erotischen Ebene ist das Angebot an Plateaustiefeln sehr groß und sehr vielfältig. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. In allen Farben und Designs findet man sie in Spezialgeschäften. Bevorzugt in Lackleder, bis zum Knie oder auch darüber mit Stulpen oder mit einer Schnürung. In der Regel haben diese Stiefel lediglich eine Plateausohle und eine hohen aber spitzen Absatz.
Kaum etwas beflügelt Männerfantasien so sehr, wie eine Frauenbein in einem hohen, schlanken Stiefel. Heute wie damals. Denn schon im viktorianischen England trugen Frauen geschnürte Stiefel mit einer erhöhten Sohle und einem kleinen Absatz. 1880 reichte es aber schon, den Rock ein wenig zu lüften und einen kurzen Blick auf die Stiefel zu gewähren, um Männerherzen schneller schlagen zu lassen. Diese Wirkung haben Stiefel bis heute nicht verloren.
Eine ganz besondere Rolle spielen Plateaustiefel auch in der so genannten “Gotic Szene”. Bei dieser Moderichtung gehören sehr hohe schwarze Plateaustiefel einfach dazu, genauso wie kurze schwarze Röcke und lange schwarze Mäntel.
Auch die führenden Schuhhersteller wie zum Beispiel “Buffalo” haben immer wieder Plateaustiefel im Programm. Aus edlem Glattleder oder aus extravagantem Antikleder. Mit einem seitlichen Reißverschluss, zum Schnüren oder als Cowboystiefel mit Schnallen.
In der diesjärigen Saison haben auch Desinger wie “Missoni” und das Nobelschuhhaus “Fendi” wieder Plateaustiefel in ihrer Kollektion. Vorallem “Fendi” setzt wieder auf hohe Sohlen. Bei eleganten Abendschuhe und Sandaletten, als auch bei Stiefel und Stiefeletten. Plateaustiefel aus feinem Velourleder mit Goldapplikationen am Absatz und am Schaft sind in den Modefarben dieses Herbstes Mocca und Schwarz wieder sehr trendy. Allerdings kosten sie auch ein kleines Vermögen.
Wer es preiswerter möchte, der sollte bei den großen Schuhgeschäften vorbeischauen. Auch hier geht der Trend wieder zum Plateaustiefel. Es gibt sie in Rind- oder Kunstleder und gefüttert für den Winter auch in Wildleder.
Die Sohlen sind nicht mehr ganz so hoch wie vor 30 Jahren und Plateaustiefel waren und sind Geschmacksache, aber ganz aus der Mode gekommen sind sie nie.